Alexander Nolte
27. November 2014

Rückblick: Aktionswochen gegen Neonazismus und Rechtspopulismus

Antifa Ratschlag 2Vom 25.10. – 13.11. fanden in Essen Veranstaltungen im Rahmen der vom Bündnis Essen stellt sich quer (kurz & gut: ESSQ) initiierten Aktionswochen statt. Wir Jusos waren natürlich auch mit am Start und haben nicht nur bei der Organisation mit angepackt.

Am 3.11. luden wir zusammen mit dem Unterbezirk in die Alte Synagoge ein. Unter dem griffigen und leider topaktuellen Motto „Antisemitismus aktuell“ veranstalteten wir einen Themenabend, durch den uns Dr. Uri Kaufmann, Leiter der Alten Synagoge und promovierter Historiker, führte. Er zeigte in seinem Vortrag auf, dass Antisemitismus in Europa auf eine sehr lange und bedauerliche Tradition zurückblicken kann. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass das Feld sehr vielschichtig ist, dass es keine klassischen „Täter*innen“ gibt und vor allem, dass uns der Antisemitismus überall im Alltag begegnet. Ihn bereits beim verbalen Auftreten zu problematisieren, das Übel also an der sprichwörtlichen Wurzel zu packen, war schließlich auch ein Plädoyer am Ende des Abends.

Am Samstag, dem 8.11., ging es weiter mit dem eigentlichen Höhepunkt der Aktionswochen, dem Antifaschistischen Ratschlag auf Zeche Carl. Mit der breiten (finanziellen) Unterstützung vieler Essener Parteien, Organisationen, Gruppen, Initiativen und Individuen versprach der Tag ein großes „get-together“ von antirassistisch und antifaschistisch Interessierten und Aktiven zu werden. Leider blieb die Resonanz ein wenig hinter den Erwartungen zurück, Input gab es für die Anwesenden aber trotzdem genug. Max Adelmann, Sprecher von ESSQ, hielt zum Einstieg einen ausführlichen Vortrag zum rechten Spektrum in Essen. Die anschließende Diskussion kreiste immer wieder um das notwendige Verbot der NPD. Danach konnte bei einem reichhaltigen veganen Mittagessen und einem Becher Kaffee (mit Karamellnote) der Markt der Möglichkeiten besichtigt werden, bei dem wir Jusos unseren eigenen Stand und eine Menge Infomaterial hatten. Der Nachmittagsteil bestand aus vier Workshops (drei davon wurden von uns geleitet) mit mehr oder weniger detaillierten Problemen bzw. Fragestellungen antifaschistischer Arbeit. Nachdem die Ergebnisse dem Plenum vorgestellt worden waren, endete der Ratschlag und damit die erste Hälfte des Samstags. Denn es ging nahtlos weiter: um 20.00 begann Rock gegen Rechts, ebenfalls auf Zeche Carl, mit namhaften Künstler*innen wie Holger Burner, Dead Memory und Omas Zwerge. Die heizten den rund 100 Besucher*innen dann auch ganz ordentlich ein.

Ob mit oder ohne Katerstimmung wurde auch am Sonntag nicht geruht. Die NPD setzte mal wieder auf Provokation und gedachte lieber der „Mauertoten“ als der Opfer der Reichspogromnacht. Gemeinsam mit ESSQ und Kray ist Bunt erinnerten wir an die Verfolgten in Nazideutschland und boten der braunen Brut schließlich auf dem Krayer Markt noch knapp zwei Stunden Paroli. Auch wenn deren Lautsprecher einiges hergaben… wir waren lauter!