5. August 2020

Drei Fragen an: Philipp Rosenau

Ganz im Südwesten von Essen, an der Grenze zu Mülheim, liegen die Stadtteile Haarzopf und Fulerum. Philipp Rosenau, 26, ist hier aufgewachsen und auch heute noch zu Hause. Bei der Kommunalwahl am 13. September 2020 tritt er als Ratskandidat für die beiden „Schwesternstadtteile“ an. Neben seinen guten Ortskenntnissen qualifizieren ihn vor allem sein langjähriges Engagement bei den Jusos, der SPD und dem Bürgerverein Haarzopf/Fulerum.

Die Kommunalpolitik hat ein parteiübergreifendes Nachwuchsproblem. Du zählst mit 26 Jahren zu den jüngeren Kandidierenden auf dem Wahlzettel. Wie können wir junge Menschen lokalpolitisch stärker einbinden? Wenn Du Überzeugungsarbeit leisten müsstest: Was sind Deine Argumente für lokalpolitisches Engagement?

Offen gesprochen: Als junger Mensch hat man es in der Politik nicht immer leicht. Ich bin mittlerweile seit sechs Jahren in der SPD aktiv und habe in dieser Zeit viele talentierte junge Leute kommen und leider häufig auch wieder gehen sehen. Das hat verschiedene Gründe – von zu stark ausgeprägtem Konkurrenzdenken in den Parteien über Generationenkonflikte bis hin zu mangelnder zeitlicher Verfügbarkeit. Die meisten jungen Menschen haben neben Ausbildung oder Studium gleich mehrere zusätzliche Verpflichtungen. Wer den eigenen Lebensunterhalt finanzieren muss, Freunden und Familie gerecht werden möchte und vielleicht weiteren Hobbys nachgeht, hat schlichtweg keine Zeit für ausgeprägtes politisches Engagement. Wer sich im jungen Alter intensiv politisch engagiert, muss dafür massive Einschränkungen im eigenen Freizeitleben in Kauf nehmen. Das ist für die meisten nicht wirklich attraktiv. Wie wir das verändern können? Durch ein faireres Bafög-System, das Ehrenamt zusätzlich berücksichtigt. Außerdem müssen wir thematisch attraktiver für junge Menschen werden. Die Idee von Jugendparlamenten mit eigenen Kompetenzen finde ich durchaus interessant. Wenn Jugendliche an Entscheidungen, die sie unmittelbar betreffen, partizipieren können, schafft das bei ihnen auch Interesse an Politik.

Mein wichtigstes Argument für lokalpolitisches Engagement ist, dass man hier Dinge tatsächlich noch relativ einfach und zügig zum Besseren wenden kann und ein funktionierendes Gemeinwesen „vor der eigenen Haustür“ der Grundstein für eine lebendige Demokratie ist.

Die positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung, wenn man sich für etwas einsetzt, das vielen ein Anliegen ist, geben mir persönlich unglaublich viel Kraft. Hat man es dann geschafft, ist es für mich ein tolles Gefühl zu wissen, dass ich etwas für die Nachbarschaft erreichen konnte – und dabei auch noch Spaß hatte.

Was sind Deine Schwerpunktthemen, wofür möchtest Du Dich im Rat besonders einsetzen?

Mein Schwerpunktthema ist seit langem der Wohnungsbau. So bin ich überhaupt erst zur Politik gekommen: Ich bin in Haarzopf und Fulerum groß geworden und habe miterlebt, wie zwei ländlich geprägte Stadtteile immer mehr Grünflächen für Wohnbebauung abgeben musste. Mich stört, dass der Bau hochpreisiger Eigentumswohnungen, die sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung überhaupt leisten kann, dem Erhalt von Grünflächen vorgezogen wird. Damit lösen wir weder das Problem, dass in der Stadt Essen vor allem bezahlbarer Wohnraum gebraucht wird, noch tun wir damit dem Umweltschutz Genüge. Ich habe mich in den letzten zehn Jahren immer wieder in unterschiedlichen Initiativen für den Grünflächenerhalt und einen am Bedarf ausgerichteten Wohnungsbau stark gemacht. Nun möchte ich dies im Rat der Stadt Essen fortsetzen und die Entwicklungen am Essener Wohnungsmarkt aktiv mitgestalten.

Du bist in Haarzopf tief verwurzelt und engagierst Dich sogar im dortigen Bürgerverein. Was macht den Stadtteil für Dich besonders lebenswert?  

Unser Stadtteil lebt ein – im positiven Sinne – „dörfliches“ Leben mitten in der Großstadt. Wenn der Bürgerverein am Jahresanfang zum Neujahrsempfang lädt, feiern wir mit 80 Gästen aus rund 30 Vereinen und Institutionen aus dem Stadtteil. Man kennt sich hier und jeder schätzt das ländliche und gemeinschaftliche Zusammenleben. Die Menschen in Haarzopf und Fulerum setzen sich für ihre Interessen ein und wollen gemeinsam das Beste für Ihren Stadtteil erreichen. Das schafft Lebensqualität und eine tiefe Verwurzelung. Ich kenne kaum jemanden, weder jung noch alt, der unseren Stadtteil verlassen möchte. Ich will, dass das so bleibt! Daher ist es mir ein großes Anliegen, dass dieses lebenswerte Umfeld – und damit auch der ländliche Charakter – beibehalten wird. Doch auch hier müssen wir z. B. Schulen und KiTas ausbauen und den ÖPNV stärken. Zudem brauchen wir ein Jugendzentrum und auch eine Stadtteilbegegnungsstätte sollte ins Leben gerufen werden. Das alles möchte ich aktiv voranbringen.