12. August 2020

Drei Fragen an: Julia Jankovic

Seit 2014 sitzt Julia Jankovic für Holsterhausen im Rat der Stadt Essen. Als Mitglied des Schulausschusses sowie des Jugendhilfeausschusses engagiert sie sich insbesondere auch für die Interessen junger Essener*innen. Neben ihrem kommunalpolitischen Amt ist Julia Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) in Essen, war lange Zeit bei den Jusos aktiv u.a. auch als Vorsitzende in Essen und ist auch heute noch eng mit ihnen verbunden. Wir haben Julia gefragt, welche Erfolge aus sechs Jahren Ratsarbeit sie besonders stolz machen und ob sie einen Tipp für junge Frauen auf dem Weg in die Kommunalpolitik hat.


Frauen sind in der Kommunalpolitik noch immer deutlich unterrepräsentiert. Wie können wir dies ändern und diese Männerdomäne durchbrechen? Was ist Dein Rat insbesondere für jungen Frauen, die sich kommunalpolitisch Engagieren und vor allem auch um Ämter bewerben wollen?

Als junge Frau mit Migrationshintergrund bin ich im Stadtrat eine „Exotin“. Das liegt leider an vielen strukturellen Problemen, die das kommunale Ehrenamt mit sich bringt. Care-Arbeit/Sorge-Arbeit – egal ob Kindererziehung, Pflege von Familienangehörigen oder unbezahlte Hausarbeit – ist leider immer noch hauptsächlich Frauenarbeit. Das muss sich ändern. Wir brauchen einen Kulturwandel in den Köpfen, um die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Ehrenamt endlich zu verwirklichen sowie echte Reformen, die das Ehrenamt auch aufwerten. In der sogenannten Rush Hour des Lebens priorisieren junge Menschen, insbesondere auch junge Frauen, häufig anders und tun sich diesen zusätzlichen Stress nicht an. Dabei ist ihr Beitrag unverzichtbar! Wir brauchen echte Frauenförderung. Diese fängt schon bei der richtigen Ansprache an: Frauen müssen ernstgenommen und ihnen eine Perspektive sowie echte Mitsprache gegeben werden. Zum Beispiel in Form von Qualifizierungsprogrammen, um ggf. Barrieren abzubauen. Die vor über 30 Jahren von der SPD durchgesetzte Quote auf Wahllisten brauchen wir leider immer noch – aber wir sollten uns deswegen nicht klein machen: Die Hälfte des Kuchens gehört uns Frauen – mindestens!

Jungen Frauen, die sich um ein kommunalpolitisches Amt bewerben wollen, rate ich dazu, mutig aufzustehen und sich nicht aufhalten zu lassen bei ihrem Vorhaben. Bleibt Euch selbst treu und fordert Eure Rechte ein. Gut ist es natürlich immer, sich Unterstützung zu suchen in Form von Fürsprecher*innen. Das Wichtigste ist aber den Mut zu haben, Interesse zu bekunden und es einfach zu probieren. Denn wie sagte Simone de Beauvoir so treffend? „Frauen, die nichts fordern, bekommen auch nichts.“


Du bist seit 2014 Mitglied im Rat: Gibt es etwas, auf das Du besonders stolz bist und was sind Deine Ziele für die nächsten fünf Jahre?

Ich bin auf viele Sachen stolz. Ich freue mich, dass ich in meinem Stadtteil mehr öffentlich geförderten Wohnraum durchgesetzt habe sowie mehr Kitaplätze und neuen Schulraum. Das ist klasse! Besonders freut es mich auch, dass wir vieles im Kinder- und Jugendbereich – auch gegen Widerstände der CDU – durchsetzen konnten. Dazu gehören mehr Geld für politische Bildung, personelle Entlastung im Kinderschutz, mehr Geld für Kinder- und Jugendeinrichtungen, ein neues Konzept zur Bekämpfung von Kinder- und Jugendarmut und der Bau neuer Gesamtschulen. Hier ist mir besonders oft klar geworden, dass es sehr wohl einen großen Unterschied macht, welche Partei man wählt. Auch wenn vieles oft schwammig erscheint und das Gefühl entstehen kann, dass alle nur das Gleiche wollen: Dem ist bei weitem nicht so!


Holsterhausen ist u. a. ein beliebter Stadtteil für Studierende: Wie sähe Deine Planung für einen Abend in Holsterhausen aus (natürlich Post-Corona)? Anreise am besten mit dem Rad über unsere neue Fahrradstraße entweder von Richtung Frohnhausen oder Rüttenscheid. Allernativ mit der U-Bahn vom Hauptbahnhof. Treffpunkt an meinem Lieblingslokal der D.Bar: Dort gibt es erstmal einen leckeren Burger und ein schönes kühles Getränk. Jeden Montagabend ist dort Quingo (Quiz-Bingo) mit Oli, dem Besitzer des Ladens, angesagt. An einem schönen, sommerlichen Samstagabend empfehle ich einen Spaziergang über die Gemarkenstraße. Wenn man Glück hat, findet sich dort ein musikalisches Kleinod – ein spontanes Musikevent namens „Straßenmusik“. Hier spielen Bands an unterschiedlichen Orten an der freien Luft. Sonst geht es bei gutem Wetter auch gerne Richtung „Haumannwiese“. Kurz vor den Toren des Grugaparks (Eingang Orangerie) gibt es eine tolle Liegewiese, die zum Verweilen einlädt. Ob Frisbee spielen, Tischtennis oder einfach beim Feierabendbierchen auf der Picknickdecke Quatschen.
Ich freue mich, Euch in Holsterhausen zu treffen und mit Euch ins Gespräch zu kommen.