16. August 2020

Covidioten: Die Entwicklung der rechten Szene während der Corona-Krise

Die Großdemonstration in Berlin am 1. August 2020 hat leider sehr deutlich gezeigt, wie viele Menschen in unserer Gesellschaft offen für rechtes und verschwörungstheoretisches Gedankengut sind.

Wo diese Verschwörungstheorien herkommen und warum Menschen daran glauben, versuchen wir in unserem Arbeitskreis (AK) Antifaschismus bei den Jusos Essen herauszufinden.
Klar ist: Die Szene der Verschwörungstheoretiker*innen sowie die der Corona-Leugner*innen ist von rechtsextremistischen Kreisen unterwandert. Dies zeigten u. a. zahlreiche Reichsflaggen auf der Demo der Corona-Leugner*innen in Berlin sowie die Vielzahl an antisemitischen Symbolen auf Flaggen und T-Shirts der Demonstrierenden.
Die Verschwörungstheorien sind von rassistischen und antisemitischen Denkweisen geprägt. So heißt es z. B. das Coronavirus wäre ein „Instrument“ von Jüd*innen, um die Weltbevölkerung auszutauschen oder auch “die Chinesen“ hätten das Virus ins Land getragen. Immer wieder wurden deswegen asiatisch gelesene Menschen von Rechten attackiert.

Mit Nazis marschieren – anscheinend für viele kein Problem

Schaut man sich an, wer neben den rechten Verschwörungsschwurblern demonstriert, lässt sich schnell feststellen: Es gibt nicht den*die “Corona-Leugner*in“. In einem Artikel, der in der Tageszeitung taz erschien ist, hieß es, auf den Demos fänden sich „junge Menschen mit Rastas, die im Schneidersitz meditieren, Männer, die ihre Wut hinausschreien, Hooligans, Esoteriker*innen mit Alubommel-Ketten oder Menschen, die einen Davidstern mit der Aufschrift ungeimpft tragen“.
Doch auch Menschen, die das Virus eigentlich ernst nehmen, aber durch die Corona-Krise zahlreiche persönliche oder wirtschaftliche Probleme erfahren haben, demonstrieren gemeinsam mit der überwiegend rechten Szene. Leider sind Menschen, die finanzielle und persönliche Schwierigkeiten haben schneller anfällig für Verschwörungstheorien und schenken diesen Glauben.

Corona-Leugner*innen ein Berliner Problem?

Ganz klares Nein! Nicht nur in Berlin treffen sich Menschen, um gegen die Corona-Schutzmaßnahmen zu demonstrieren. Auch in Essen finden regelmäßig Anti-Corona-Demos statt. Hier sind es vor allem die Steeler Jungs, die unter dem Deckmantel der „Corona Rebellen“ in Essen und anderen Ruhrgebietsstädten auf die Straße gehen.

Aber wie wollen wir gegen die Steeler Jungs vorgehen?

Die Steeler Jungs sind uns natürlich nicht erst seit Corona bekannt. Schon vor Ausbrauch der Pandemie verbreiteten sie Woche für Woche ein Gefühl von Unsicherheit im Stadtteil Steele. Sie pöbeln, beleidigen und bedrohen Menschen, die ihnen missfallen und verfolgen einige sogar bis nach Hause. Ein breites Bündnis – darunter auch die Jusos Essen – stellt sich ihnen regelmäßig in den Weg.

Damit die rechte Szene in Essen rund um die Steeler Jungs nicht weiter wächst, haben wir Jusos uns dafür eingesetzt, dass sich die Essener SPD in ihrem Kommunalwahlprogramm deutlich gegen Rechts positionieren. Wir müssen es uns zur Aufgabe machen vor allem junge Leute davon abzuhalten, sich dieser Szene anzuschließen. Dies wollen wir u. a. durch einen Fördertopf für präventive und aufklärende Jugendarbeit erreichen. Unsere Stadt zeichnet sich durch eine vielfältige und multikulturelle Gesellschaft aus. Organisationen, die sich für den Zusammenhalt unserer Stadtgesellschaft und gegen Ausgrenzung einsetzen, möchten wir daher auch finanziell unterstützen. Wir wollen gemeinsam den Kampf gegen die Faschist*innen in unserer Stadt bestreiten – jetzt und in Zukunft!

Zur Autorin: Sophie Kallweit, 19, ist stellvertretende Vorsitzende der Jusos Essen und leitet den Arbeitskreis Antifaschismus.